MAT COLLISHAW Drucken E-mail

  
 

*1966 in Nottingham, lebt und arbeitet in London

Mat Collishaw zählt zu den 16 Künstlern, die 1988 an der von Damien Hirst kuratierten Ausstellung ‚Freeze' teilgenommen haben, die den Begriff der Young British Artists geprägt hat. Sein vielseitiges Werk, das Fotografie, Malerei, Installation, Video und Skulptur umfasst, wirkt zunächst schwülstig schön und hat etwas Barockes. Bei genauerer Betrachtung fällt jedoch die Zwiespältigkeit der einzelnen Arbeiten ins Auge: die unschuldig schön anmutenden Blumen wirken eher wie üppig lockende Geschlechtsteile, zarte Schmetterlinge explodieren. Seine neuen Arbeiten ‚Zoetrope', Zylinder mit Figuren auf einer Drehscheibe, die durch Rotationsbewegungen Bilder an die Wand werfen, wirken wie ein Kinderspielzeug, ein Karussell, das jedoch aus kopulierenden Pärchen besteht. Die Grenze zwischen schockierend und vergänglich ist fließend, das Romantische eskaliert zur Gewalt, das Ästhetische wird zum Albtraum. Dabei wird das Element der Provokation vom Künstler ganz bewusst eingesetzt.

Mat Collishaws Video-Installation ‚Vanitas' wirkt auf ersten Blick wie ein einfacher Spiegel, den der Künstler für Rohkunstbau in einen üppigen viktorianischen Holzrahmen montiert hat. Erblickt der Betrachter zunächst nur sein eigenes Spiegelbild, erscheinen fast gleichzeitig weitere Objekte, da es sich um eine Doppelprojektion hinter dem Spiegel handelt. Das Spiel mit Illusion und Schein wird meditativ von über den Bildschirm schwimmenden Fischen und fremdartig anmutenden Meerestieren umgesetzt - sie bilden einen klaren Verweis auf den Untergang von Atlantis, das im Meer versunken ist. Die Vergänglichkeit findet ihren Höhepunkt in den klassischen Stillleben-Elementen Totenkopf und Sanduhr, die in dritter Ebene sichtbar werden.


Foto: Roland Horn
Courtesy: Mat Collishaw und Haunch of Venison, Berlin, London, New York,  Zürich
© Mat Collishaw